Gute Bildung – beste Aussichten

Kultusministerin Susanne Eisenmann besucht Eduard-Mörike – Gymnasium Neuenstadt – besonnene Kurskorrektur gegen Stagnation in der Bildungslandschaft

Kultusministerin Susanne Eisenmann mit MdL Lasotta, Stadtverbandsvorsitzendem Markus Schuster, Rektor Roland Götzinger und Bürgermeister Heuser
Kultusministerin Susanne Eisenmann mit MdL Lasotta, Stadtverbandsvorsitzendem Markus Schuster, Rektor Roland Götzinger und Bürgermeister Heuser

Auf Einladung des Stadtverbandes der CDU Neuenstadt und mit Unterstützung durch die Schulleitung und des hiesigen Vereins der Freunde und Förderer besuchte Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann das Eduard-Mörike-Gymnasium in  Neuenstadt und stellte sich nach einem Vortrag über die Zukunft der Bildung in Baden-Württemberg den Fragen und Diskussionsbeiträgen der rund 120 Zuhörerinnen und Zuhörer.

In seinen Begrüßungsworten verwies der Vorsitzende des Stadtverbandes der CDU Neuenstadt, Markus Schuster, auf das unter Eisenmann eingetretene Ende der Experimente der alten grün-roten Landesregierung, der nun ruhigeres Fahrwasser folgt. Zufrieden äußerte sich auch der Rektor des Gymnasiums, Oberstudiendirektor Roland Götzinger, der der Ministerin einen im Wesentlichen richtigen Kurs bescheinigte. Der Bürgermeister der Stadt Neuenstadt, Norbert Heuser, sprach den Schulleiterbedarf für das städtische Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum an und wünschte sich die Möglichkeit einer Wiedererrichtung einer Grundschulförderklasse.

In ihren Ausführungen umriss Kultusministerin Eisenmann die Situation und benannte die zentralen Herausforderungen der Legislaturperiode. Baden-Württemberg habe ein Qualitätsproblem, so Eisenmann. Für die Raumentwicklung seien aber qualifizierte und qualifizierbare Schulabgänger letztlich unabdingbar. Zu konstatieren sei eine insgesamt, im Vergleich zu anderen Ländern, stagnierende Entwicklung. Zu viele Schülerinnen und Schüler schafften nach der 4. Klasse die Mindeststandards im Lesen, Schreiben und Rechnen nicht, zeigte sich Eisenmann besorgt. Das bedeute eine schwere Hypothek für die weiterführenden Schulen. Der zu großen Heterogenität der Schülerinnen und Schüler sowohl vor als auch nach der Grundschulzeit könnten die ohnehin schon stark belasteten Lehrerinnen und Lehrer nicht Herr werden. Es fehle vor allem ein passgenaues Bildungskonzept. Als erste Gegenmaßnahme hat Susanne Eisenmann den Grundschulen für Deutsch und Mathematik neue Stunden zur Verfügung gestellt. Dazu erfolgen eine Aufstockung der Grundschulförderklassen und die Wiedereinführung der Korrekturpflicht in der Rechtschreibung schon im Grundschulbereich. Die in ganz Deutschland einmalige Freiwilligkeit der Nutzung von Hilfsangeboten bei der Feststellung eines massiven sprachlichen Förderbedarfs solle zudem auf den Prüfstand gestellt werden.  Vor allem die Verwaltungsstrukturen müssten optimiert werden, so Eisenmann weiter. Es fehle zudem an einer Kontrolle und Optimierung von Förderkonzepten und der Blick für begabte Schülerinnen und Schüler.

Besonderen Wert legte Eisenmann in ihren Ausführungen auf die Gleichwertigkeit und die Vielfalt der Bildungswege. Die Missachtung der beruflichen Bildung und des dualen Systems müsse beendet werden. Große Transparenz und Durchlässigkeit eröffneten Menschen auch in diesen Zweigen alle Möglichkeiten. Zusammen mit den Berufsträgern werde es mehr Tage der Orientierung an den Schulen geben. Um Falschbeschulungen zu vermeiden, werde die Grundschulempfehlung dahingehend verändert, dass diese an den weiterführenden Schulen wieder vorgelegt werden müsse. Bei Abweichungen müsse ein Beratungsangebot in Anspruch genommen werden. An den Werkreal- und Hauptschulen sei eine Trendwende bereits erkennbar. Die 302 Gemeinschaftsschulen haben sich im Land als weitere Säule neben den 380 Gymnasien etabliert.  

Einen weiteren Schwerpunkt setzt Eisenmann im Bereich der Digitalisierung. Bis 2021 sollen eine Milliarde Euro in deren überlegten Ausbau  fließen, ohne die Fehler anderer zu wiederholen. Wichtig sei vor allem in der Grundschule die Vermittlung der Grundkompetenzen; die Einbeziehung digitaler  Medien müsse additiv und nicht ersetzend gesehen werden. In diesem Zusammenhang verwies Eisenmann auch auf den Handlungsbedarf infolge eines Um-sich-greifens von Spracharmut und mangelnder Werteerziehung. Mit letzterer müsse deutlich früher begonnen werden.

Zuletzt sprach Eisenmann die problematische personelle Situation an. Auf die aktuell hohe Pensionierungswelle sei das Land nicht ausreichend vorbereitet. Es liege ein realer Fachkräftemangel vor. Trotzdem konnte die Lage weitgehend bereinigt werden, die Optimierung der Situation werde aber Jahre dauern. Dies sei gerade vor dem Hintergrund des politischen Willens zur Erhaltung der kleinen Grundschulen eine Mammutaufgabe. Nicht zuletzt müsse die Arbeit (für Schulleiter) wieder deutlich attraktiver werden. Schulentwicklung brauche motiviertes und entlastetes Personal. Eine Absage erteilte Eisenmann trotz dieser Lage möglichen Erhöhungen der Deputate und Vergrößerungen des Klassenteilers. Trotz eines schleichenden Rückgangs der Schülerzahlen sollen die Förderschulen darüber hinaus erhalten bleiben. Kritisch äußerte sich die Ministerin hinsichtlich des Bildungsplans von 2004, dessen Überarbeitung eine dringliche Angelegenheit gewesen sei.

In seiner Diskussionsmoderation lobte der Landtagsabgeordnete Dr. Bernhard Lasotta und Fraktionschef Klaus Gussmann unter dem Beifall der Anwesenden die konzeptionelle Aufstellung Eisenmanns und ihr unermüdliches Engagement.  Den Ausführungen Eisenmanns schlossen sich zahlreiche Fragen und Diskussionsbeiträge an.

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